Das absurde Wörterbuch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit - auch nicht im Hinblick auf Skurrilität. Für ernstgemeinte wissenschaftliche Recherche suchen Sie bitte weiterhin ihr Heil im Brockhaus oder Wikipedia. Für sarkastische, ironische und rebellische Verweise steht das absurde Wörterbuch allerdings immer gerne zur Verfügung.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Nektar, der

Hopfennektar
Mit dem Frühling sind die Blumen zurück, bald auch das heimische Obst, und mit der Wärme auch andere Substanzen, die das Sommerhalbjahr olfaktorisch unverwechselbar machen. Ein Haarfärbeprodukt wird aktuell damit beworben, dass es 'floralen Nektar' enthält. Ganz klar, floraler Nektar, süßes Zeug das von Blumen produziert wird und Bienen anlockt. Warum man sich das in die Haare tut ist schon weniger offensichtlich. Aber die Botschaft ist im Grunde so überzeugend wie unsubtil: Man/frau lockt damit leichter Bestäuber an. Und wegen seiner Haarpracht von Bienen umschwärmt zu werden ist sowohl in seiner linguistischen Vermurkstheit, als auch ästhetisch interessant. Solange man nicht allergisch ist.

Ein wenig anders sieht es mit dem fruktalen Nektar aus. Er kommt natürlich in 100%-Fruchtsäften im Supermarkt vor und wird hauptsächlich aus Orangen gewonnen. Anders als der florale Nektar lockt er keine Insekten, sondern kleine Gesundheitspartikel an, die sich nach Verzehr auf dem/der Konsumenten/in niederlassen und ihn/sie vor Alzheimer, Durchfall und schlechten Zähnen schützen.


Schwieriger ist es, die Funktion des letzten Vertreters der Nektare zu beschreiben. Der sogenannte faunale Nektar wird vor allem von hominiden Säugetieren produziert. Die Hauptzeit der Produktion liegt, wie bei den vorher beschriebenen Nektararten, in den Sommermonaten. Die Forschung ist noch uneins, was die Bedeutung des faunalen Nektars betrifft, Studien weisen allerdings darauf hin, dass ihm abschreckende Wirkung zukommt, die vom Menschen gezielt in überfüllten öffentlichen Transportmitteln und am Arbeitsplatz eingesetzt wird, um sich gewaltfrei gegen aufdringliche Exemplare der eigenen Gattung zur Wehr zu setzen. Aus evolutionärer Sicht dient dieser Mechanismus möglicherweise dem Vermeiden von Krankheitsübertragungen. Besonders stark riechende Individuen hätten demnach einen Fortpflanzungsvorteil, was allerdings bislang nicht bestätigt werden konnte.

Mittwoch, 5. Februar 2014

Keksin, die

Die Keksin ist die feminine Variante des Kekses, quasi die Hausfreundin, das Husarinnenkrapferl der Weihnachtsbäckerei. Im österreichischen Sprachgebrauch trägt das Wort Keks ja üblicherweise den Artikel "das". Die Deutschen und SchweizerInnen hingegen nehmen überwiegend "den" Keks in den Mund (siehe Duden). Da von beiden Seiten die jeweils andere Variante als komisch oder falsch empfunden wird, schlagen wir hier im Sinne der besseren Verständigung den Gebrauch des weiblichen Artikels vor.

Für die ÖsterreicherInnen sollte das kein Problem sein. "Hast du die Keks gegessen?" klingt einfach nach der Vertilgung mehrerer Kekse – ohnehin der Idealfall. Die nicht dem bairischen Sprachraum angehörenden Deutschen tun sich vielleicht etwas schwerer mit dieser Lösung. Für diesen Fall gibt es die Möglichkeit, das kontroverse Wort einfach zu gendern und forthin Keksinnen zu essen. Wie bei der Hure gerät vielleicht irgendwann das männliche Äquivalent in Vergessenheit, und künftige Generationen von kleinen deutschen, Schweizer und österreichischen Kindern können entspannt um einen Keksinnenteller sitzen.


Dienstag, 4. Februar 2014

Organismenaufstiegshilfe, die

Organismenaufstieghilfen können, abhängig vom Lebensraum des betreffenden Organismus, verschiedener Natur sein. Im Arbeitsleben und der Politik ist es die üblicherweise in Bier- und Weinhefe vorkommende Gruppe der B-Vitamine, die dem Organismus die zum Aufstieg nötige Agilität verleihen. In der Natur und im technischen Bereich verstehen wir darunter auch Gondeln und Lifte.

Natürlich können Aufstiegshilfen aber auch anderen Organismengruppen das Leben erleichtern. Laut www.wanderfische.de werden "unter der Bezeichung Fischaufstiege [...] alle Wanderhilfen zusammengefasst die Fischen und anderen Organismen die Möglichkeit eröffnen Wanderhindernisse stromaufwärts zu überwinden." Im Bereich von Staudämme sind die Aufstiegshilfen sicher eine willkommene Abwechslung zur üblichen Fortbewegung. Zumeist handelt es sich hierbei um Beinprothesen, die es dem Fisch ermöglichen das hinderliche Bauwerk an Land zu umgehen. Hierbei muss natürlich darauf geachtet werden, dass, besonders in der Wandersaison, genügend Austieghilfen in verschiedenen Größen (auch für die Jungfische) zur Verfügung stehen. Verschiedene Arten haben auch verschiedene Ansprüche an Wanderhilfen. So bevorzugen manche Spezies auch Leitern oder Krücken auf ihre Wanderungen.

Die Hoffnung für die Zukunft ruht allerdings laut Experten auf einer Fischgondel, an deren Entwicklung die Firma Doppelmayr gerade feilt.

Und hier noch eine echte Fischleiter

Montag, 3. Februar 2014

Nutzlawine, die


Schadlawinen kommen in der Natur so gut wie nie vor, in technischen Handbüchern, sowie Berichten jedoch gar nicht so selten. Eine Schadlawine, ganz klar, ist eine Lawine, die Schaden anrichtet. Im Gegensatz dazu bringt die sogenannte Nutzlawine dem von ihr Betroffenen Nutzen. Sie verschüttet die unliebsame Vorgesetzte, vernichtet den Skilift des pöbelnden Nachbarn und sorgt für erfrischende Lichtungen in der Eintönigkeit des mit ihr verwandten Nutzwaldes.

Auch historisch ist uns die Nutzlawine ein Begriff, allerdings gestaltet sich die Abgrenzung gegenüber der Schadlawine hier schwierig, da besonders im Ersten Weltkrieg an der österreichisch-italienischen Alpenfront die beiden Begriffe stark vom Standpunkt des Beobachters abhingen. Der Vollständigkeit halber erwähnt werden soll hier noch die Neutral- oder auch Wurschtlawine, die durch ihre geringe Größe und lokale Begrenztheit unter den Lawinenforschern oft auf Ignoranz stößt.

PS.: Es liegt uns natürlich fern, uns über Opfer von Lawinen und die Gefahr die von Lawinen ausgeht, lustig zu machen.  Wir amüsieren uns hier über die deutsche Sprache, die Wortschöpfungen wie die 'Schadlawine' anscheinend sinnvoll erscheinen lässt.

Oberflächenhure, die

Der englische Begriff "surface hoar" [ˈhɔː(r)]  bedeutet soviel wie Oberflächenrauhreif. Das heimtückische Gebilde entsteht vorallem in kalten, klaren Nächten an der Oberfläche von Schnee und ist für die Bildung von Lawinen aller Art wichtig. Der Begriff wird gleich ausgesprochen wie das englische "whore"[hɔː(r)]. Eine (un)glückliche Fügung, wenn man, das Gehirn von Schlafmangel und Postpubertät zerfressen, in der Vorlesung sitzt und vom Professor eindringlich vor den Gefahren von "surface hoars" warnt. Und das, wo gerade das chinesische Jahr der Huren angebrochen ist. 

Unabhängig von diesen Witzeleien sei hier auf das leider nicht gebräuchliche männliche Äquivalent hôrs oder auch horr hingewiesen (zu finden in Kluges etym. Wörterbuch). Das könnte man ja wieder einführen.